"Pampers Bomber" … ein Serbischer Kater findet sein Zuhause.

 "PAMPERS BOMBER" - HERZ ODER KOPF ?

 

In den letzten drei Jahren unserer Freundschaft hatte mir Marion schon einige notleidende Katzen ans Herz gelegt, die z.B. durch einen Unfall inkontinent und dadurch für ihre Besitzer unbequem wurden oder Katzen, die aus Altersgründen oder Krankheit auf bequeme Art und Weise "entsorgt" und wie lästiger Müll weggeworfen werden sollten. Sie alle fanden bei uns ein liebevolles, dauerhaftes und geschütztes Zuhause, werden wie Familienmitglieder behandelt.

 

Irgendwann im Mai 2015 erreichte mich ein Anruf.

Marion bat mich dringend zu ihr zu kommen, denn sie habe da etwas in Facebook entdeckt, das sie mir unbedingt zeigen müsse. Sie präsentierte mir dann das Video einer Tierschützerin namens Mira.

Ein Tigerkater, der auch noch "Tiger" hieß, saß in einem kleinen Käfig, ohne Decke oder Schlafhöhle. Der Käfig war mit Zeitungspapier ausgelegt und ... er trug eine Windel!

Gedanklich nannten wir ihn von da ab "Pampers-Bomber".

 

Durch einen Unfall oder durch Menschenhand hatte er keinen Schwanz mehr und wurde dadurch inkontinent. Sein Anblick und seine traurigen, verzweifelten Augen brachen mir fast das Herz.

Die Tierschützerin hatte ihn schwer verletzt gefunden und ließ ihm sofort alle tierärztliche Hilfe zukommen.

 

Nach seiner Genesung sollte er eigentlich wieder als Streuner zurück auf die Straße, aber er war so auf Menschen bezogen, verschmust und anhänglich, dass sich Mira entschied ihn ins Ausland zu vermitteln.

In Serbien hätte Tiger aufgrund seines Handicaps keine Aussicht auf Vermittlung gehabt.

Wie konnte ich da "nein" sagen?

Schon beim ersten Blick auf Tiger hatte er mich um seine Kralle gewickelt und ließ mich nicht mehr los.

Für mich war die Sache ganz klar ... er musste dort weg - raus aus dem Käfig!

Aber wie sag ich es meinem Mann Peter?

Nach einem längeren Gespräch mit Peter wurde mir klar, dass ich in diesem Fall viel Diplomatie und Überredungskunst anwenden musste.

 

Es taten sich hier zwei Fronten auf: HERZ und KOPF!!!! Die Diskussionen dauerten tagelang an, jeder von uns beharrte auf seinem Standpunkt!

Peter war der Meinung, dass es hier in Deutschland schon genügend "Katzenelend" geben würde, da müsse man nicht auch noch so viel Geld für Katzen-Reisekosten ausgeben. Das könne man im lokalen Tierschutz besser verwenden.

Marion hörte sich die Diskussionen an, lächelte still in sich hinein und begann zu organisieren.

 

Tiger wurde gechipt und erhielt sämtliche notwendigen Impfungen für seine Ausreise.

Außerdem wurde er auf Leukose und Katzen-Aids getestet.

 

Jetzt begann für uns das nervenaufreibende Warten. Die vorgeschriebene Quarantänezeit zog sich für uns endlos hin.

Es stellt sich zum Glück heraus, dass alle Tests negativ ausfielen. 

Die organisierte Fahrkette von Österreich nach Serbien und wieder zurück nach Österreich stand.

Tiger war gut in Österreich angekommen. Jetzt übernahmen liebe Freunde aus dem Katzenforum "Mymiau", - Janine und Tommy erklärten sich bereit, Tiger von Österreich nach Deutschland zu bringen.

Das lange Warten, Bangen und Hoffen hatte bald ein Ende.

 

Nach einer scheinbar nicht endenden Odyssee mit einer Fahrstrecke von fast 2.000 Kilometern kam Tiger am 6. November 2015 gesund und wohlbehalten bei uns an.

 

 

Wir nannten ihn aufgrund der Ähnlichkeit mit einem Luchs "Luchsi".

Auch hat er meinen Mann Peter inzwischen voll im Griff ... Luchsi liebt ihn heiß und innig, vor allem seinen Vollbart, den Luchsi mit Vergnügen als "Wellness-Bürste" benutzt.

 

 

Die Windel ist seitdem Schnee von gestern. Luchsi erfreut sich bester Gesundheit, - nur kurz nach dem Aufwachen kann er seinen Urin nicht halten, aber diese Feuchtigkeit wird von mehreren Inkontinenzunterlagen aufgefangen.


Wir haben es nicht eine Sekunde bereut ihn bei uns aufgenommen zu haben, - freuen uns immer wieder, wenn er seine Kumpel "stramm" stehen lässt.

 

Er zeigt uns tagtäglich seine Dankbarkeit und überschüttet uns förmlich mit seiner Liebe.

 

Wie Ihr sehen könnt, hört Katzenliebe nicht an irgendeiner Grenze auf.

Gleichzeitig verbindet diese Liebe auch Menschen, denn wir stehen mit Mira und auch vielen anderen Tierschützern sowohl im In- als auch im Ausland in herzlicher Verbindung.

 

© Marianna Weisheit

 

 

HERZ hatte in diesem Fall wieder einmal gewonnen, und KEINE Grenze kann unsere Katzenliebe stoppen